Vodafone/Kabel Deutschland und die Segmentierung

Vodafone Logo, Quelle

Seit dem Umzug in meine neue Wohnung und dem damit verbundenen Anbieterwechsel war ich mit der Entscheidung zugunsten Vodafone/Kabel Deutschland ziemlich zufrieden. Bis Anfang November die Segmentüberlastung zugeschlagen hat…

Ich bin, wie man vermuten könnte, beruflich auf die Internetanbindung in meiner Wohnung angewiesen, um meinem Gewerbe nachgehen zu können. Seit Ende Oktober hatte ich bereits das Gefühl, dass alles etwas zäher vonstatten geht, als ich das gewohnt war – hatte ich doch vor kurzer Zeit erst auf den Tarif „Internet & Phone 200“ mit 200 Mbit/s im Downstream aufgerüstet.

Einige Speedtests später war die Geschichte für mich auch schon klar: die berüchtigte Segmentüberlastung hat zugeschlagen – wäre ja auch zu schön gewesen.

Als mein Download Anfang Dezember immer weiter eingebrochen war, sodass nicht mal eine Remotedesktopverbindung geschweige denn Streaming ordentlich funktionierte, entschloss ich mich, die Störungshotline von Vodafone zu informieren.

Einer der angefertigten Speedtests

„Oha“, sagte man mir, „bei Ihnen liegen zwei Großraumstörungen vor, die sich noch etwas in die Länge ziehen werden. Für eine der Störungen habe ich bereits einen Fertigstellungstermin, möchten Sie den wirklich hören?“. Was bliebt mir denn übrig? „Die Fertigstellung ist geplant für frühestens Februar 2017!“. Puh, da ist mir kurz die Kinnlade heruntergeklappt… man bot mir eine Gutschrift in Höhe der halben Rechnung an, die ich erstmal unter Vorbehalt angenommen hatte.

Nach dem Telefon war für mich klar: das wird nicht funktionieren bis Februar. Nicht in diesem Leben… immerhin war ich nicht mal in der Lage, die Spiele meiner geliebten Seattle Seahawks live zu verfolgen!

Die Kabel-AGB von Vodafone sind relativ eindeutig, was den „bis zu“-Zusatz der Verträge angeht (Punkt 3.2):

Vodafone-AGB
Stand: 21. Dezember 2016

Da mir auch der Vodafone Twitter-Support nicht wirklich weiterhelfen konnte – was sollen die armen Kerle auch tun – entschloss ich mich, einerseits meinem Frust freie Bahn zu lassen, in dem ich einen Beitrag im Kundenforum von Vodafone eröffnete und andererseits Vodafone eine Frist zur Problembehebung setzte – per Mail, Fax und Einschreiben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Schreiben fordere ich Sie auf, die an meinem Anschluss bestehende Störung innerhalb von 10 Werktagen ab Zugang dieses Schreibens, spätestens jedoch bis zum 05. Januar 2017, zu beseitigen. Die von Ihnen genannte Störungsdauer bis Februar 2017 ist inakzeptabel.

Sollte die gesetzte Frist erfolglos verlaufen, werde ich aus wichtigem Grund gem. § 314 BGB kündigen.

Mit freundlichen Grüßen,
Dominic Pratt

Glücklicherweise habe ich inzwischen eine Alternative, die Telekom bietet an meinem Anschluss VDSL50 an, was für meine Zwecke ausreicht.

Als Antwort auf obige Mail erhielt ich heute folgende Nachricht von Vodafone:

wir arbeiten daran, die Störung zu beheben.

Da Sie noch etwas warten müssen, möchten wir Ihnen eine Freude machen. Sie bekommen von uns 16,66 Euro auf Ihr Kundenkonto.

Äääh… was? Hat Vodafone meine Mail überhaupt gelesen? Ich möchte keine Gutschrift, ich möchte die Bestätigung der Kündigung aus wichtigem Grund, da Vodafone ganz offen zugibt, mir bis mindestens Februar 2017 die vertraglich vereinbarte Leistung nicht liefern zu können.

Als Antwort auf oben genannte Mail habe ich nur eine kurze Mail abgesetzt mit der Bitte, mir einfach die Kündigung aus wichtigem Grund zu bestätigen, damit ich ohne doppelte Kosten in einen Telekom-Vertrag wechseln kann…

bitte bestätigen Sie mir die Sonderkündigung gem. § 314 BGB.

An einer Gutschrift habe ich kein Interesse, ich möchte den Vertrag beenden, da Sie selbst zugeben nicht in der Lage zu sein, den Vertrag zu erfüllen.

Um es kurz zu machen: die Kabel-Technologie ist und bleibt ein Shared Medium, viele Nutzer teilen sich also die Bandbreite des Segments.

Meine Erfahrungen mit der Kabel Technologie ist also nicht gerade prickelnd. Sicher, es mag Gebiete geben, in denen die Segmente völlig unterfordert sind – davon sollte man aber bei drei Neubauten mit je 44 Wohnungen eher nicht ausgehen, denke ich – und das hat sich auch bestätigt.

Wie Vodafone nun reagiert und ob sie mir meine Kündigung bestätigen, erfahren die begeisterten Leser sicher in Kapitel 2…

Update 22.12.2016

Vodafone hat der Kündigung aus wichtigem Grund gemäß § 314 BGB entsprochen und beendet meinen Vertrag „aus Kulanz“ zum 22. Dezember 2016.

Die Telekom ist beauftragt und wird mir wohl am 17. Januar eine VDSL50-DSL-Leitung schalten.

Ende gut, alles gut…

9 Gedanken zu “Vodafone/Kabel Deutschland und die Segmentierung

  1. Hallo, vielen Dank für diese Zusammenfassung. Ich habe das gleiche Problem und werde immer wieder vertröstet, dass der Ausbau im kommenden Monat abgeschlossen ist und man wieder die volle Bandbreite zur Verfügung hat. Wers glaubt, wird seelig.

    Ich kann noch ergänzen, dass man da als Kunde möglichst hartnäckig hinterher sein muss, um 1. Infos und 2. eine Form der Kompensation zu bekommen. Mir gegenüber hat ein Service-Mitarbeiter außerdem zugegeben, dass ein Segmentausbau keine Garantie ist, dass die Bandbreite dann über eine längere Zeit stabil hoch bleibt. Na denn…Ich bin aktuell ebenfalls dabei zu einem DSL-Anbieter zu wechseln, auch wenn dieser „nur“ 50 Mbit anbietet. Ich kann allen nur raten, Finger weg vom Kabelmedium, Finger weg von Vodafone.

  2. „[…]wie man vermuten könnte, beruflich auf die Internetanbindung in meiner Wohnung angewiesen, um meinem Gewerbe nachgehen zu können.“

    Warum nehmen Sie sich dann überhaupt einen Privatkunden Anschluss?

    • Die Frage habe ich kommen sehen – da ich 3 Ausweichmöglichkeiten hatte, die wichtigsten Geschäfte zu erledigen, habe ich auf den Geschäftskundenanschluss verzichtet.

      Der springende Punkt ist aber doch, dass Vodafone auch bei Privatkunden ihren – selbst aufgesetzten – Vertrag einhalten muss – oder nicht?

      So komplett anonyme Kommentare mit blöden Sprüchen sind mir ja auch immer am liebsten. ;)

      • Die Frage war ja auch nicht ganz unberechtigt, immerhin werben sie (Vodafone) bei Geschäftskunden ja mit folgender Garantie: „Express Störungsbehebung in 12 Stunden innerhalb der Servicezeit“

        Aber ich gebe Ihnen schon Recht, den Vertrag müssten Sie bei Privatkunden natürlich auch einhalten.

        Mag sein, dass es als blöder Spruch rüber gekommen ist, aber aus Erfahrung lohnt sich der Aufpreis für einen gewerblichen Anschluss wenn man ihn auch als solchen benutzt ab dem ersten wirklichen technischen Problem.
        Hätte es eine Auth.- Möglichkeit per Twitter oder so gegeben, wäre der Post nicht anonym geblieben ;)

        • Tja, aber man glaubt doch nicht wirklich, dass die Vodafone-Jungs in so einem Fall wirklich eine Entstörung in 12 Stunden hinbekommen?

          Ich sehe es doch bei den Telekom-Geschäftskundenanschlüssen – da gibt’s eine Entstörzeit von 8 Stunden, im Zweifel dauert’s halt aber länger und man bekommt die bezahlten Gebühren zurück. Ich will aber keine Rückerstattung, sondern funktionierendes Internet – und im Falle der nötigen Segmentierung kann auch kein Vodafone-GK-Support hexen. :-)

  3. Sehr vergleichbare Probleme hatte ich anfangs auch mit meinem Unitymedia Anschluss. Leider hatte damals die Alternative VDSL gefehlt und ich musste über ständige Beschwerden Druck ausüben. Letztlich lief der Anschluss dann nach einigen Monaten (es wurde ausgebaut / Cluster Split). Inzwischen liegt die vertragliche Bandbreite durchgängig an und es wäre sogar VDSL mit Vectoring als Alternative verfügbar. Auch wegen der statischen IP Adresse bleibe ich aber derzeit bei Unitymedia.

  4. Ich verstehe das Problem nicht so ganz.
    An Ihrem Anschluss (oder zumindest auf dem Weg dorthin) lag eine Störung vor. Diese sollte bis Feb. behoben werden.
    Als Entschädigung für die geringere Bandbreite wurde Ihnen eine Erstattung der halben Rechnung angeboten.
    Sie haben dann gemerkt, dass Ihnen das nicht reicht und eine Frist zur Behebung gesetzt. Vodafone konnte diese offensichtlich nicht einhalten und hat dann Ihrer Bitte nach einer Sonderkündigung entsprochen.

    Für mich klingt das alles nach einem ordentlichen Support. Wo genau ist da der Aufreger? Dass Ihnen nochmal eine Entschädigungszahlung angeboten wurde? Das Vodafone eine große Störung nicht schneller beseitigen konnte?
    Klar ist es ärgerlich, wenn eine Störung erst so spät behoben werden kann, aber VF hat sich da eigentlich Ihnen gegenüber recht fair verhalten. Wenn sie der Kündigung nicht entsprochen hätten könnte ich den Ärger verstehen, aber so…?

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